Aufmaß

Ganzglasanlagen und Glastrennwände richtig aufmessen

Glastrennwände im Büro, Besprechungsräume aus Glas oder ganze Raum-in-Raum-Lösungen: Ganzglasanlagen sind groß, schwer und werden millimetergenau im Profilsystem gefertigt. Anders als bei einer Dusche geht es hier um mehrere Wände, Türen, Oberlichter und Ecken, die sauber zusammenpassen müssen, und um Böden und Decken, die selten so gerade sind, wie sie aussehen.

In diesem Leitfaden zeigen wir, wie Sie eine Glastrennwand mit Profilsystem aufmessen, am Beispiel einer Anlage im System AL-OFFICE NY von Längle: mit vier Wandabschnitten, drei Eckpfosten, zwei Türen mit Oberlicht und durchlaufender Quersprosse.

Inhalt: Kurz gesagt | Vorbereitung | Lagen und Längen | Höhe, Boden und Decke | Kreuzlaser | Ecken und Pfosten | Türen | Teilung und Oberlicht | Toleranzen und Luft | Checkliste | Typische Fehler | EASY PLAN | Häufige Fragen
Stand: Oktober 2026

EASY PLAN 3D-Ansicht einer Glastrennwand Längle AL-OFFICE NY mit zwei Türen, Oberlichtern und Eckpfosten

3D-Ansicht aus EASY PLAN: Glastrennwand im System Längle AL-OFFICE NY, vier Lagen, zwei Türen mit Oberlicht, drei Eckpfosten

Übersicht

Kurz gesagt

  • Jede Wand ist eine eigene Lage: Länge, Höhe und Anschlüsse werden für jeden Wandabschnitt getrennt gemessen.
  • Höhe an vielen Stellen: Bei mehreren Metern Länge weichen Boden und Decke fast immer voneinander ab.
  • Ein gemeinsamer Bezug: Ein Kreuzlaser für die ganze Anlage macht Abweichungen zwischen den Wänden vergleichbar.
  • Türen zuerst klären: Durchgangsbreite, Durchgangshöhe, Drehrichtung, Band und Schloss bestimmen die Teilung.
  • Toleranzen kennen: Das Profilsystem gleicht nur begrenzt aus. Größere Abweichungen müssen im Glas berücksichtigt werden.
Vorbereitung

Was vor dem Aufmaß geklärt sein muss

  • Profilsystem: Welches System kommt zum Einsatz, zum Beispiel Längle AL-OFFICE, XL oder NY, und in welcher Oberfläche?
  • Glas: Glasdicke und Glasart für Festteile und Türen, etwa ESG oder VSG.
  • Raumsituation: Fertiger Boden und fertige Decke vorhanden? Abgehängte Decke, Doppelboden oder Teppich?
  • Befestigung: Wo kann an Boden, Decke und Wand befestigt werden, und wo liegen Leitungen, Heizung oder Bodentanks?
  • Türen: Anzahl, Lage, Breite, Drehrichtung, Schloss, Band und gegebenenfalls Absenkdichtung.
  • Gestaltung: Oberlichter, Quersprossen, Folierungen oder Sichtschutz.
Längen

Lagen und Längen messen

Teilen Sie die Anlage in Lagen, also gerade Wandabschnitte von Ecke zu Ecke oder von Wand zu Ecke. Für jede Lage messen Sie:

  1. Länge am Boden und an der Decke, bei langen Lagen zusätzlich in der Mitte.
  2. Anschlüsse an beiden Enden: Wand, Eckpfosten, Glasecke oder freies Ende.
  3. Lot der Anschlusswände, denn eine schiefe Wand verändert das Glasmaß von unten nach oben.
  4. Hindernisse wie Fensterlaibungen, Stützen, Heizkörper oder Brüstungen.

Notieren Sie die Lagen mit Buchstaben oder Nummern und halten Sie sie in einer Skizze des Grundrisses fest. Im Beispiel heißen sie A bis D mit 350, 450, 3510 und 2250 mm.

Höhe

Höhe, Boden und Decke

Die Raumhöhe ist bei Glastrennwänden das kritischste Maß. Über mehrere Meter laufen Boden und Decke fast nie parallel. Messen Sie die Höhe deshalb in kurzen Abständen, mindestens an jedem Lagenende, an jeder geplanten Teilung und an jeder Tür.

  • Boden: Estrich und Belag auf Ebenheit und Gefälle prüfen. Teppich oder Doppelboden beeinflussen die Befestigung.
  • Decke: Bei abgehängten Decken klären, ob das Deckenprofil an der Unterkonstruktion oder an der Rohdecke befestigt wird.
  • Höhenunterschiede: Den tiefsten und den höchsten Punkt jeder Lage festhalten. Daraus ergibt sich, ob das Profil die Abweichung aufnimmt.
Kreuzlaser

Mit dem Kreuzlaser messen

Bei Ganzglasanlagen spielt der Kreuzlaser seine Stärke aus. Mit einer waagerechten Laserlinie für die ganze Anlage messen Sie an jeder Stelle den Abstand zum Boden und zur Decke. So sehen Sie auf einen Blick, wo der Boden ansteigt oder die Decke durchhängt, und zwar über alle Wände hinweg im selben Bezug.

Senkrechte Lote an den Lagenenden zeigen, wie stark die Anschlusswände aus dem Lot sind. Wer die Werte direkt ins Aufmaß einträgt, bekommt die tatsächliche Kontur jedes Glases und muss nicht schätzen.

Mehr zur Methode lesen Sie im Leitfaden Dusche richtig aufmessen.

Ecken

Ecken, Eckpfosten und Glasecken

An jeder Ecke entscheidet sich, wie die Lagen zusammentreffen:

  • Eckpfosten: Ein Profil verbindet beide Lagen, die Glasmaße beziehen sich auf den Pfosten.
  • Glasecke: Die Gläser stoßen direkt aneinander, die Ecke muss besonders genau gemessen werden.
  • Winkel: Messen Sie den tatsächlichen Winkel. Selten sind es genau 90 Grad.

Spannender als die Ecke ist oft der Anschluss einer Tür. Das Grundriss-Detail rechts zeigt die Tür der Beispielanlage: Wandanschluss mit Profil, Türblatt mit Drücker, Band und den Übergang ins Festteil, jeweils mit der geplanten Luft.

EASY PLAN Grundriss-Detail einer Glastür im Profilsystem: Wandanschluss, Türblatt 828 mm mit Drücker und Band, Anschluss ans Festteil
Türen

Türen aufmessen

  • Durchgangsbreite und -höhe: Legen Sie fest, welches lichte Maß die Tür haben soll. Daraus ergeben sich Türblatt und Zarge.
  • Drehrichtung: Anschlag links oder rechts, nach innen oder außen. Die Tür darf nicht gegen Möbel, Heizkörper oder Lichtschalter schlagen.
  • Band und Schloss: Beschlagsystem festlegen, etwa Türband und Schlosskasten. Davon hängen Bohrungen und Luftmaße ab.
  • Griffhöhe: Mit dem Kunden abstimmen, im Beispiel 1050 mm.
  • Boden unter der Tür: Bodenunebenheiten im Schwenkbereich prüfen, eventuell Absenkdichtung einplanen.
EASY PLAN Abwicklung einer Glastrennwand mit vier Lagen, Türen mit Durchgangsmaß und Oberlichtern

Abwicklung aus EASY PLAN: vier Lagen mit Türen (Durchgangsbreite 860 und 810 mm), Oberlichtern und Glasmaßen

Teilung

Teilung, Oberlicht und Quersprosse

Lange Lagen werden in mehrere Festteile geteilt. Planen Sie die Teilung so, dass die Felder gleichmäßig wirken und Türen sauber eingebunden sind. Oberlichter über den Türen und eine durchlaufende Quersprosse verbinden die Anlage optisch. Im Beispiel liegt die Sprosse über alle Wände auf einer Höhe von 2296,5 mm.

Achten Sie auf Glasgewicht und Transport: Scheiben mit über zwei Metern Höhe und mehreren Dutzend Kilogramm brauchen Platz im Treppenhaus, im Aufzug und bei der Montage.

Konstruktion

Toleranzen und Luft

Profilsysteme nehmen kleine Abweichungen von Boden und Decke im Profil auf. Wie viel genau, hängt vom System ab, maßgeblich sind die Angaben des Herstellers. Was darüber hinausgeht, muss im Glas berücksichtigt werden: Die Scheibe wird dann schräg gefertigt.

Legen Sie für Ihren Betrieb fest, ab welcher Abweichung schräg gefertigt wird. In EASY PLAN lässt sich diese Schrägentoleranz für Ganzglasanlagen getrennt von der Dusche einstellen. Wie immer gilt: Gemessen wird das Lichtmaß, die Luft kommt bei der Konstruktion dazu.

Checkliste

Checkliste: Aufmaß einer Glastrennwand

  • Profilsystem, Oberfläche, Glasart und Glasdicke festgelegt
  • Lagen benannt und im Grundriss skizziert
  • Längen am Boden, in der Mitte und an der Decke
  • Höhen an jedem Lagenende, jeder Teilung und jeder Tür
  • Lot der Anschlusswände und Winkel der Ecken
  • Ecken als Pfosten oder Glasecke festgelegt
  • Türen mit Durchgangsmaß, Drehrichtung, Band, Schloss und Griffhöhe
  • Oberlichter, Sprossen und Teilung
  • Befestigung an Boden, Decke und Wand geklärt
  • Fotos der Situation, idealerweise mit Laserlinie
Fehler

Die häufigsten Fehler beim Aufmaß von Glastrennwänden

  • Nur eine Raumhöhe gemessen: Bei mehreren Metern Länge passt das Glas an einer Stelle nicht.
  • Abgehängte Decke nicht geklärt: Das Deckenprofil findet keinen tragfähigen Halt.
  • Eckwinkel angenommen: Die Lagen treffen an der Ecke nicht zusammen.
  • Türanschlag nicht abgestimmt: Die Tür schlägt gegen Möbel oder Lichtschalter.
  • Teilung ohne Rücksicht auf Gewicht: Die Scheibe passt nicht durchs Treppenhaus.
  • Toleranz des Profils überschätzt: Die Abweichung ist größer als das Profil aufnehmen kann.
EASY PLAN

Ganzglasanlagen planen mit EASY PLAN

Im Office-Konfigurator von EASY PLAN legen Sie jede Wand als eigene Lage an und wählen das Profilsystem, etwa Längle AL-OFFICE, XL oder NY. Maße geben Sie klassisch oder mit dem Kreuzlaser ein, mit einem Laser für die ganze Anlage. Teilung, Türen mit Band und Schloss aus dem Katalog, Oberlichter, Sprossen und Ecken mit Pfosten oder Glasecke setzen Sie direkt in der Zeichnung.

Daraus entstehen Abwicklung, Grundriss mit Profildetails, Profilzeichnung mit allen Zuschnittlängen, Stückliste für Glas, Profile, Dichtungen und Beschläge, 3D-Ansicht und DXF-Daten. In der Beispielanlage sind das 18 Glaspositionen und über 100 Einzelteile, alle aus einem Aufmaß.

FAQ

Häufige Fragen zum Aufmaß von Glastrennwänden

Wie misst man eine Glastrennwand aus?
Jede Wand als eigene Lage: Länge oben, Mitte und unten, Höhe an vielen Stellen, Lot der Anschlusswände und Winkel der Ecken. Mit einem Kreuzlaser haben alle Maße denselben Bezug.

Wie oft muss ich die Raumhöhe messen?
Mindestens an jedem Lagenende, an jeder Teilung und an jeder Tür. Bei langen Wänden zusätzlich dazwischen.

Was ist eine Lage?
Ein gerader Wandabschnitt einer Ganzglasanlage, etwa von der Wand bis zur ersten Ecke.

Welches Glas wird für Glastrennwände verwendet?
Meist ESG oder VSG in 8 bis 12 mm. Für Türen und je nach Anforderung an Sicherheit oder Schallschutz wird die Glasart mit dem Kunden und nach Herstellerangaben festgelegt.

Muss die Decke fertig sein?
Ja. Gemessen wird auf die fertige Decke und den fertigen Boden. Bei abgehängten Decken muss die Befestigung vorher geklärt sein.

Fazit

Fazit: Viele Maße, ein Bezug

Eine Ganzglasanlage besteht aus vielen Einzelmaßen, die am Ende zusammenpassen müssen. Wer jede Lage getrennt erfasst, die Höhe an vielen Stellen misst, Ecken und Türen vorab klärt und mit einem gemeinsamen Laserbezug arbeitet, legt die Grundlage für eine Anlage, die ohne Nacharbeit montiert wird.

Weiterlesen: Glastrennwand montieren · Dusche richtig aufmessen · Küchenrückwand aufmessen · Digitales Aufmaß

Inspiration

Ein Überblick über die Glasanwendungen