Allgemein

Floatglas - Die Basis

Je nachdem wie gut man bewandert ist, was Glas angeht, kann es sein, dass man noch nie zuvor etwas von dem sogenannten „Floatglas“ gehört hat. Nichtsdestotrotz ist es eines der meist eingesetzten Gläser, die man in der Architektur beziehungsweise im Innenausbau findet. Deshalb ist es wichtig, mehr über dieses Glas mit hohem Weiterverarbeitungspotenzial zu wissen, um es perfekt in Szene setzen zu können und es anschließend auch fachgerecht pflegen zu können!

Eigenschaften

Floatglas und seine Eigenschaften

Spiegelglas gemäß DIN 1249 – noch nie gehört? Gar nicht schlimm. Diese kryptischen Bezeichnungen sind einfach Synonyme für ein in der Ebene liegendes, also glattes Glas, was man auch Floatglas ( gemäß DIN EN 572) oder Basisglas nennt und als Grundstoff für Flachglas in beinahe allen denkbaren Gebieten angewendet wird. Zu seinen Eigenschaften zählt, dass es normalerweise hell ist und ungefärbt ausgeliefert wird. Dazu ist anzumerken, dass trotzdem ein leichter Grünstich vorliegt, der je dicker das Glas wird, umso mehr auffällt. Ein Floatglas, in dem dieser Grünstich minimiert wurde und was dann eine kaum wahrnehmbare Eigenfarbe hat, nennt man auch Weißglas. Und vor allem, wenn es um Fenster geht, wünschen Sie sich sicher, dass Sie nicht nur ungehindert hindurch schauen können, sondern auch, dass Sie ein unverfälschtes Bild Ihrer Umwelt bekommen. Der Grünstich im konventionellen, Floatglas ist auf einen hohen Anteil an eisenoxidhaltigem Quarzsand zurückzuführen. Ersetzt man nun diesen Quarzsand durch einen eisenoxidärmeren Stoff in der Glasproduktion, so kommt man zu einem perfekten, durchsichtigen und äußerst farbneutralem Glas, was besonders dann wichtig ist, wenn die Glasscheibe dicker werden sollte und ansonsten sehr stark grünlich eingefärbt wäre. Besonders beschichtete Gläser sollten farbecht sein – also Weißglas!

Glas ist fast überall verarbeitet, wo Menschen leben. Das hat den einfachen Grund, dass es extrem praktisch ist: Die glatte Oberfläche und seinen planparallelen Flächen nimmt weder Wasser auf noch gibt sie welches ab, es kann nicht brennen oder Rauch entwickeln, es ist gegen viele Wetterverhältnisse beständig, es behält seine Form über die Dauer bei, es riecht nicht und ist auch weitestgehend gegen sowohl Säuren als auch Basen beständig. Doch der Punkt, der für Sie nun primär wichtig sein könnte, ist, dass es wegen seiner ebenen Oberfläche einfach zu reinigen ist. Und da Hygiene ein Bedürfnis ist, dem man vor allem in den eigenen vier Wänden gerecht werden kann und auch sollte, eignet es sich sehr gut im Innenbereich.

Technische Daten

Bezeichnung Frühere Bezeichnung Spiegelglas (SP) (S), Weissglas, Parsol, Diamant, Optiwhite usw
Rohstoffe Sand Soda Sulfat Kalk Dolomit
chemische Zusammensetzung 12,9 % Na2O Nariumoxid, 11,6 % CaO Calciumoxid und 75,5 % SiO2 Siliciumdioxid
Gewicht / Dichte: 2,5 kg / m² * mm
Lieferbar Dicken 2, 3 ,4 , 5, 6, 8, 10, 12, 15, 19
Dickentoleranz allgemein ± 0,2
max. Größe 3210 mm x 6000mm
Biegezugfestigkeit: 30 N/mm²
Ausdehnung 9 x 10-6/K
U-Wert (früher k-Wert) z.B. Dicke 5mm 5,8W/m² K
Temperaturbeständigkeit 40 K
Erweichung Temperatur 600 Grad
Härte nach Mohs 5-6
Weitere Informationen

Der „Allrounder“ unter den Gläsern

Wie eben bereits erwähnt ist Floatglas ein Basisprodukt und kann daher weiterverarbeitet und somit veredelt werden.
Primär gibt es folgende Möglichkeiten dieses Glas zu behandeln. Erstens: Das Aufdampfen einer Metallbeschichtung. So kann man Gläser produzieren, die entspiegelt sind oder auch als Wärmeschutzglas klassifiziert werden. Dubioserweise werden so aber auch Spiegel hergestellt. Zweitens: Thermische Behandlung. Dadurch kann das Glas ganz klassisch gebogen – also geformt werden. Des Weiteren werden so auch Einscheibensicherheitsgläser (ESG) und Verbundsicherheitsgläser (VSG) produziert. Natürlich kann man aber auch die Oberfläche klassisch mit Farbe, Lack oder anderen Beschichtungen behandeln. Zudem kann man die Oberfläche anätzen oder einen Sandstrahler einsetzen. Drittens werden Gläser wie bereits oben beschrieben durch die Veränderung der Rohstoffe, die verarbeitet werden, gefärbt und somit kann ganz konkret der Grad und die Art der Verfärbung – wenn sie erwünscht ist – anpassen.

Einfachglas

Einscheibensicherheitsglas

Verbundsicherheitsglas

Isolierglas

Bruch

Was ist wenn es kaputt geht

Sicher ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass ein Glas zu Bruch gegangen ist. Da Glas, wenn es nicht flüssig ist, sondern in fester Form vorliegt, eine Eigenspannung innehat, sind keine Formänderungen möglich und es lässt sich beispielsweise nicht verbiegen wie ein Metalldraht. Deshalb bricht es, wenn die Spannungsgrenze überschritten wird. Wobei die Scherben, die bei Floatglas entstehen, teilweise groß, aber auch kleiner und meist schwertförmig sind. Somit sind sie auch eine potentielle Quelle für Verletzungen, wenn sie herabfallen. Besonders, weil die Scherben bei einem Bruch sofort herabfallen, sollte man Floatglas nur dann verwenden, wenn man davon ausgehen kann, dass in einer normalen Situation keine Gefahr besteht, dass es bricht.

Floatglas – Bruchbild

Produktion

Floatverfahren - Herstellung von Floatglas

Das Floatglas wurde nach seinem Herstellverfahren benannt. Dieses Verfahren war 1959 revolutionär, denn so war es erstmal möglich, Gläser in bis dato unvorstellbaren Formaten zu fertigen und das in einer hohen Geschwindigkeit. Als Grundmaterialien dienen einerseits der im Überfluss vorhandene Quarzsand, andererseits aber auch SodaDolomit und weitere Rohstoffe, von denen aber deutlich weniger benötigt wird. Damit das Glas anschließend besser geschmolzen werden kann, werden ca. 20 % saubere Glasscherben mit in die Basismasse gemischt. Bei über 1500 Grad Celsius wird das Gemisch geschmolzen und dann auf das so genannte Floatbad geleitet, wo man sich die Eigenschaft von Glas zu Nutze macht, das leichter als das flüssige Zinn ist. Dadurch fließt das Glas durch seine Oberflächenspannung über das Bad und bildet ein scheinbar endlos langes Glasband. Daraufhin wird das Glas mit hoher optischer Qualität im Kühltunnel von 600 Grad Celsius auf 60 Grad Celsius abgekühlt. Schlussendlich wird durch Laser kontrolliert, ob es Unebenheit auf dem Glas gibt und dann wird das Band in Tafeln zur Größe 6000 x 3210 mm zugeschnitten.

Das Floatverfahren wurde 1959 von Pilkington entwickelt und hat das damals etablierte Ziehverfahren abgelöst. In diesem Verfahren war es erstmals möglich Gläser in hoher Geschwindigkeit und großen Formaten zu fertigen (3210 x 6000mm). Dazu war die Qualität in der Durchsicht zu diesem Zeitpunkt einmalig. Solche Floatglas Anlagen können 500 bis 1000 Tonnen Glas an einem Tag produzieren.

ZEICHENTOOL

Zeichenmodule "Glas"

Das Zeichenmodul „Glas“ ermöglicht, einfach Stücklisten für Montage und Handel zu erstellen. Glasart und Kantenbearbeitung können dabei individuell gewählt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, Glasbranchen übliche Glasbearbeitungen individuell hinzuzufügen.

Anwendung

Floatglas und seine Einsatzmöglichkeiten

Dadurch, dass es vielfältig durch beispielsweise bohren, schneiden, Facettenschliffe oder Kantenbohrungen bearbeitet werden kann, sind auch die Einsatzmöglichkeiten von Floatglas beinahe unbeschränkt. Man verarbeitet es zu Möbeln – dabei sind vor allem Tischplatten, Schranktüren und verklebte Möbel zu nennen. Auch Aquarien und Terrarien sind aus dieser Sorte Glas. Fenster aller Art, darunter auch Wärmeschutzisolierfenster, die bei Gewächshäusern zum Einsatz kommen, werden aus Floatglas hergestellt. Zu guter letzt gibt es auch noch „Kleinkram“ aus Floatglas: darunter fallen zum Beispiel Bilderrahmen, wobei dort für eine gute Sicht auf die Bilder entspiegeltes Glas verwendet wird.

Matte Oberfläche

Satiniertes Glas

Eine Glasoberfläche kann durch Ätzen, dem bearbeiten mit einem Sandstrahler oder auch Schleifen so mattiert werden, dass sie ihre klare Durchsichtigkeit verliert. Mit Säure behandeltes Glas (z. B. Fluorwasserstoffsäure) erhält dadurch eine blickdichte, seidenmatte und gleichmäßige Oberfläche, die beim Auftreffen von Licht einen weichen Glanz entfaltet. Die Transluzenz (Lichtdurchlässigkeit) wird durch dieses Verfahren so gut wie gar nicht beeinflusst. Als Basis-Material für diese Verfahren dient meist Floatglas, doch können auch die meisten anderen handelsüblichen Glassorten derart behandelt werden. Aber nicht nur zum Mattieren wird das Ätzen verwendet, sondern auch um die Flächen von begehbarem Glas rutsch-hemmend zu machen.

Satiniertes Glas wird wegen seiner Blickdichtigkeit und matten Erscheinung oft als Sichtschutzglas verwendet. Das einfallende Sonnenlicht wird im Glas gebrochen und im Innenraum gleichmäßig verteilt, sodass ein diffuses Licht entsteht, ohne dass Einbußen an der absoluten Helligkeit (Lichttransmission) auftreten.

Auch solche Gläser können durch ganz- oder teilfächige Ätzungen gestaltet werden – hier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt: Muster, Strukturen, Streifen, Schriften, Ornamente oder individuell gewählte Motive können so in die Oberfläche eingearbeitet werden. Mit Hilfe von Schablonen können blanke Stellen mit Metallfolien abgedeckt werden. Mittlerweile können aber auch digitale Daten (Motive und Bilder) in die Fertigung integriert werden. Eingesetzt werden solche Kunstwerke oft im Innenausbau für semitransparente Bürotrennwände, Duschabtrennungen oder auch Elemente von Möbeln.

Vergleich

Floatglas vs. Acryglas

Es ist festzustellen, dass normales bzw. Floatglas deutlich witterungsbeständiger ist, als sein aus Kunststoff gefertigter Kontrahent. Außerdem ist es leichter zu reinigen und hat von sich aus eine höhere Glanzkraft. Die Oberfläche ist bei dem Kunststoff-Acrylglas deutlich kratzempfindlicher, was aber andererseits auch bessere Möglichkeiten mit sich bringt es zu bearbeiten. Des Weiteren transportiert der Kunststoff des Acrylglases das durchscheinende Licht besser. Besonders, wenn es weiter transportiert werden musst, ist es ein entscheidender Vorteil des Acrylglases, dass es deutlich leichter ist.

Unterschied

Floatglas oder Weissglas Welches Glas ist das richtige?

Grundsätzlich unterscheiden sich Float- und Weißglas in ihrer Herstellung eigentlich gar nicht. Der Unterschied liegt allein darin, dass beim Weißglas höherwertige Rohstoffe eingesetzt werden, die eine Verfärbung, die beim Floatglas auftreten kann, verhindern. Deshalb eignet sich Weißglas besonders dann, wenn es zu einer Farbbeschichtung kommt, oder ein Aufdruck geplant ist. Aber auch insgesamt ist der Lichteinfall bei Weißglas reiner und besser als bei Floatglas.

Links: Weissglas | Rechts: Floatglas

Rechts: Weissglas | Links: Floatglas
beschichte RAL 9016

Glasgewichtsrechner

Wie schwer ist Glas

Jeder, der bereits mit Glas zu tun hatte, weiß genau wie schwer dieses Material werden kann. Genau diese Eigenschaft macht den Umgang mit Glas nicht unbedingt einfach und es sollte genau bestimmt werden ob Türrahmen, Möbel usw. tatsächlich für das jeweilige Glasgewicht ausgelegt ist.
Des Weiteren spielen auch die Befestigungsmöglichkeiten im Innenausbau z.B. bei Glastüren und im Möbelbau eine große Rolle, wenn möglich sollte man vor der Montage Art und Anzahl der Beschläge oder Scharniere bestimmen, um Schäden zu vermeiden.

Da reines Augenmaß nicht ausreicht, um zu bestimmen ob Rahmen, Türen, Unterkonstruktionen und so weiter mit dem jeweiligen Glasgewicht belastet werden dürfen, sollten Monteure unbedingt das tatsächliche Glasgewicht berechnen, die Berechnung erfolgt dabei über die Dichte 2,5 kg / m² * mm.

Der Glasmass Glasgewichtsrechner berechnet Ihnen das Glasgewicht binnen von Sekunden und erleichtert somit Ihre Planung und sorgt für eine sichere Montage und für langlebige Produkte.

Reinigung

Was Sie bei der Pflege von Floatglas wissen sollten

Trotz dessen, dass das Glas ein sehr hygienisches Material ist und es relativ pflegeleicht ist, muss man doch bei seiner Pflege und Reinigung gewisse Dinge beachten, um ihm auf Dauer nicht zu schaden und seine Qualität zu erhalten. Um mal von der anderen Seite anzufangen, ist Ihnen zu raten, dass Sie vor allem dann, wenn Sie aggressivere Reinigungsmittel verwenden, darauf verzichten die Dichtungen, Gummierungen und/ oder Silikonfugen zu reinigen. Außerdem vermeiden sollten Sie unbedingt eine reine Trockenreinigung. Auch wenn Glas relativ beständig ist, was den pH-Wert der Substanzen angeht, die mit ihm in Berührung kommen, sollten Sie auf allzu alkalische oder saure Reinigungsmittel verzichten, da diese doch unter Umständen der Glasoberfläche schaden können. Aufgrund der Spannung, die das Glas hat, sollte man auch auf kochend heißes Wasser verzichten, da es sich bei einer zu plötzlichen Temperaturschwankung verziehen und instabil werden könnte. Besser ist es, wenn Sie es bei leichteren Verschmutzungen erstmal mit reichlich Wasser versuchen, welches die zu lösenden Dreckpartikel etwas aufweichen sollen. Diesen eingeweichten Dreck können Sie nun mit normalem Glasreiniger und erneut ausreichend Wasser abspülen. Sollten Sie es aber doch mit hartnäckigeren Verschmutzungen zu tun haben, dann kann es notwendig sein, das Glas mit einer Mixtur aus Essig und Wasser zu reinigen. Optional bietet sich auch eine Mischung aus Wasser und Brennspiritus im Verhältnis fünf zu eins an. Zum Abschluss trocknen Sie das Floatglas dann mit einem weichen Trockentuch ab. Am Schluss verzichten Sie bitte nicht auf das Reinigen Ihrer Utensilien. Eine regelmäßige Reinigung dieser verhindert nämlich durch Schmutzpartikel verursachte Kratzer auf dem Glas.

GLASERZEUGNISSE

Ein Überblick über die verschiedenen Glasarten