Spiegel – immer präsent doch nur Unbewusst wahrgenommen

Sie würden gar nicht glauben wie sehr Spiegle auch Ihr Leben tangieren. Egal ob es der morgendliche Blick in den Spiegel kurz vor dem Verlassen des Hauses ist, dem Schminkspiegel, der es ermöglicht, dass Sie das Make-Up perfekt auftragen, dem Spiegel in der Spiegelreflexkamera, der ein scharfes Bild entstehen lässt oder der Spiegel im Auto, der im Härtefall über Leben und Tod entscheiden kann.

Der Spiegel hat in seinen Einsatzgebieten vielfältige Möglichkeiten und ein Leben ohne ihn wäre nicht so schön und einfach, wie es jetzt ist. Aber nicht nur seine praktischen Möglichkeiten werden von den Menschen geschätzt: Er wird auch immer mehr ein Designer-Objekt. Er bringt viele Vorteile mit sich und dementsprechend ist er ein beliebter Werkstoff für beinahe allen Menschen:

Lässt Räume größer Erscheinen
Dient wortwörtlich zur Selbstreflexion
In Fitnessstudios zum Kontrollieren der Bewegungsabläufe
Als Designelement
Messinstrumente in der Industrie

Was ist ein Spiegel?

Als Spiegel bezeichnet man ein ungefärbtes oder gefärbtes Flachglas, welches einseitig mit einer reflektierenden Silberschicht versehen ist, die durch eine Kupfer- und Lackschicht geschützt wird. Der Belag (Spiegelbelag) besteht aus mehreren (Lack-)Schichten.

Die Silberschicht – auch Reflexionsschicht genannt – ist dafür verantwortlich, dass der Spiegel ein Spiegel ist. Die Kupferschicht dient als Schutz gegen die Oxidation des Silbers. Auch der Grund- und Decklack dienen einzig und allein zum Schutz und sorgen dafür, dass der Spiegel am Ende blickdicht ist.

Ab wann gab es Spiegel? Die Geschichte des Spiegels:

Schon seit tausenden von Jahren ist der Mensch von Spiegeln fasziniert. Das erste Mal hat er wohl sein Antlitz im Wasser gespiegelt gesehen. Das ist aber schon tausende Jahre her und heute sind wir umgeben von ihnen und man kann sie sich kaum noch aus dem alltäglichen Leben wegdenken.

Der erste – konventionell als Spiegel zu bezeichnende – Spiegel wurde um 1373 n. Chr. Produziert. Damals noch aus einem Glas, welches mit Blei und Zinn belegt wurde. Zwischenzeitlich hatte man sich mit Quecksilber geholfen, was aber schon bald abgelöst werden sollte. Es war schlicht und ergreifend zu gesundheitsschädigend. Schlussendlich gelang es Freiherr Justus von Liebig ein nasschemisches Verfahren zu entwickeln, sodass reines Silber als Reflexionsbelag genutzt werden konnte. Die weiteren Entwicklungen drehten sich nun nur noch um die Verfahren, mit denen Spiegel hergestellt werden.

Herstellung von Spiegeln

Um es für Sie mal grob zusammenzufassen, es gibt insgesamt nur drei Verfahren, mit denen es möglich ist Spiegel herzustellen. Diese Belegeverfahren werden auch Tischverfahren, Schaukeltischverfahren und Spritzverfahren genannt. Alle diese Verfahren sind mehr oder weniger automatisiert und der Ablauf ist an sich gleich. Der einzige Unterschied liegt in der Ausfallgeschwindigkeit.

Die moderne Art Spiegel herzustellen: Das Spritzverfahren

Durch dieses vollautomatische Verfahren können große Glasflächen zu Spiegeln verarbeitet werden. Zuerst wird das Glas aufgelegt, wo es anschließend in einer Zinnsalzwaschmaschine gereinigt wird.

Durch Spritzpistolen werden eine Versilberung und eine Kupferbeschichtung aufgebracht. Im Anschluss wird der Spiegel durch auftragen des Grund- und Deckbelags komplettiert.

Der fertige Spiegel durchläuft zur vollständigen Aushärtung ein Infrarot-Trocknungstunnel. Nachdem es dann zum abstapeln vom Band genommen wird.

Man hat hier den Prozess der Herstellung beinahe vollständig automatisiert.

Dieses Verfahren ist dafür verantwortlich, dass Sie heute einen vergleichsweise günstigen Spiegel kaufen können.

Spiegel ist nicht gleich Spiegel – die verschiedenen Sorten auf einen Blick vorgestellt

Der Floatglasspiegel / Weißglasspiegel

Der Floatglas-Spiegel ist einer der mit Abstand am meisten verbauten Spiegel. Dieser wird auch im Alltag einfach als „Spiegel“ bezeichnet. Hier wird als Basisglas ein Floatglas verwendet, auf dem der Spiegelbelag aufgetragen wird. Meist geschieht dies direkt nach der Glasherstellung.

Über die Kante ist der Grünstich im Floatglas üblicherweise nach wie vor sichtbar, was aber das Spiegelbild nicht verändert. Weißglasspiegel kommen eher selten zur Anwendung und werden nur verwendet, wenn stärkere Glasdicken erforderlich sind oder der Spiegel gewisse optische Eigenschaften mitbringen muss.

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Floatglas
Weißglas

Spiegel satiniert

Durch die geätzte Oberfläche bekommt der Spiegel eine metall-ähnliche Oberfläche mit leichtem Glanz, sodass sie jede Schrankfront, Tischplatte oder Rückwand zu einem richtigen Hingucker macht. Die Reflexion des Lichtes bleibt weiterhin bestehen, wobei Sie wissen sollten, dass die Klarheit des Spiegelbildes schwer zu wünschen übriglässt.

Antikspiegel – künstliche Alterung

Ein echter Antikspiegel ist furchtbar teuer und deshalb bezeichnet man allgemein hin einen Spiegel als Antikspiegel, wenn seine Optik auf „alt“ gemacht ist. Das bedeutet, dass man den Spiegelbelag künstlich hat altern lassen. Diese Alterung wird durch ein nasschemisches Verfahren ausgelöst. Basis ist wiederrum ein Floatglas.

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Antikspiegel sollten nicht einfach an die Wandgeklebt werden. Die Spiegelschicht, sowie auch die Lacke, haften nicht so stark an, wie bei einem normalen Spiegel, weshalb es zu weiteren chemischen Reaktionen zwischen Klebstoff und Spiegel kommen könnte, die Letzteren zerstört.

Ornamentglasspiegel – der etwas andere „Spiegel“

Zwar hat das Ergebnis der Verspiegelung eines Ornamentglases am Ende wenig mit einem herkömmlichen Spiegel zu tun, aber trotzdem ist diese Methode sehr beliebt. Meist werden solche „Spiegel“ als Rückwand im Innenbereich eingesetzt.

Weitere Informationen – Ornamentglas

Doppelspiegel

Noch eine andere Art sind die sogenannten Doppelspiegel, die vorwiegend in Bädern bzw. Spiegelschränken verbaut werden. Mit den passenden Beschlägen dienen diese dann als Schranktür. Hier werden zwei normale Spiegel mit einem Kleber dauerhaft verbunden.

Gut zu wissen: Doppelspiegel werden oft mit VSG-Spiegel verwechselt. Entscheidender Unterschied ist aber, dass die Zwischenschicht keine PVB-Folie ist, sondern nur ein Kleber. Dieser hält im Falle eines Bruches die Bruchstücke in keinem Fall zusammen, sodass trotzdem Verletzungen entstehen können.

Beheizbarer Spiegel

Es können auch Heizdrähte – durch Laminieren – im Spiegel eingelassen werden. Diese verhindern das Beschlagen des Spiegels beispielsweise nach dem Duschen.

Der Spionspiegel – für alle, die den Durchblick behalten wollen!

Sie kennen es bestimmt aus diversen Filmen: Spiegel wo man durchschauen kann. Diese werden in Fachkreisen auch Spionspiegel genannt. Man kann durch diese von einem dunkleren Raum in einen Helleren schauen. Andersherum funktioniert dies jedoch nicht. Dieser Spiegel ist ein normal belegtes Flachglas ohne Schutz- und Decklack. Vor der Oxidation wird das Silber mittels eines Klarlacks geschützt. Die Reflexionsschicht wird aufgedampft und mit einer transparenten Schutzschicht belegt.

gebogene Spiegel - Konkav- und Konvex-Spiegel

Konvexspiegel sind oft im Verkehrsbereich im Einsatz. Dort sollen sie Überblick über unübersichtliche Kreuzungen und Einfahrten schaffen. Eine zweiachsige-konvexe Form ermöglicht es, die Straße trotz der geringe Spiegelfläche relativ gut zu überblicken.

Rück- bzw. Seitenspiegel in modernen Autos sind ebenfalls oft einachsig konvex gekrümmt, sodass der tote Winkel verkleinert und das Sichtfeld vergrößert wird.

Konkave Spiegel kommen im Kosmetikbereich zum Einsatz und sind genau genommen oft Hohlspiegel. Der Betrachter ist dann meist außerhalb der Brennweite und somit ein virtuell vergrößertes Bild von sich selbst. Das ist fast wie bei einer Lupe. Bei dieser Art von Spiegeln handelt es sich um gebogene Gläser, die mit einem Spiegelbelag versehen wurden!

Unterschiedlichste Sicherheitsspiegel

Hier gibt es mehrere Arten von Spiegeln, die zum Einsatz kommen, wenn die Sicherheit großgeschrieben werden soll / muss.

Verbundsicherheitsglasspiegel / VSG - Spiegel

VSG-Spiegel werden zusätzlich mit einer weiteren Scheibe laminiert. Im Zwischenraum befindet sich dann eine elastische und zähe Folie, die auch beim Bruch für eine Resttragfähigkeit sorgt. Da man bekanntlich ein VSG aus verschiedenen Glasarten kombinieren kann, lassen sich neben dem Sicherheitsaspekt auch sehr schöne Effektgläser erstellen (natürlich kann man auch mit Spiegel und anderen Glasarten bzw. Folien gewisse Effekte erzielen).

Weitere Informationen – Verbundsicherheitsglas

ESG - Spiegel – teuer aber gut

Was viele nicht wissen: Normale Spiegel können nicht einfach so vorgespannt werden. Dadurch das beim Vorspannprozess das Glas bis kurz vor dem Erweichungspunkt (600 Grad) erhitzt wird, würde der Spiegelbelag unweigerlich verbrennen. Vielmehr wird eine normale Glasscheibe mit allen Bearbeitungen versehen und dann vorgespannt. Nach dem Vorspann-Prozess wird dann erst in einem speziellen Verfahren der Spiegelbelag aufgetragen.

Die Alternativen im Blick haben

Aufgrund er aufwendigen Herstellung ist ein ESG – Spiegel um ein einiges teurer als durchsichtige ESG – Gläser der gleichen Größe. Hier könnte man im Einzelfall abschätzen, ob auch ein VSG-Spiegel verwendet werden könnte, um Kosten einzusparen.

Für jeden den richtigen Spiegel

Wie Sie sehen gibt es eine riesige Auswahl an Spiegeln. Oft wird ein Spiegel nur als Spiegel wahrgenommen und verkannt, was eigentlich noch dahinterstecken kann. Das ist sehr schade, denn in diesem Glas steckt so viel praktisches und design-technisches Potential.

Ich hoffe Sie konnten einen Eindruck über die Vielfältigkeit der Spiegel gewinnen und nehmen diese nun bewusster im Alltag wahr!

Weitere Spiegelarten

Außerdem besteht die Möglichkeit Spiegel zu färben. Das Basis-Glas ist dann schon vorgefärbt und beeinflusst die Farbe am Ende. Mögliche Farben sind hier braun, grau, blau und grün. Manchmal setzt man diese Spiegel im Wohnbereich ein, um bestimmte licht-bezogene Effekte zu provozieren. Garantiespiegel kommen dahingegen vor allem im Außen- oder Nassbereich zum Einsatz. Beispiele sind:

  • Schwimmbäder
  • Krankenhäuser
  • Schulen
  • Kindergärten

Garantiespiegel können durch die Chromspiegelbeschichtung eine geringere Reflexion aufweisen. Sind aber dafür beständiger gegen äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit.

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